Heike Kloppenburg

(ehemals Knigge)

Rechtsanwältin und Fachanwältin für Sozialrecht

Heike Kloppenburg
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Vertretungsbefugt an allen Amts-, Land-, und Oberlandesgerichten

Studentin muss Tochter (4) abgeben

Quelle: Westfalenblatt, 23.01.2009

Von Christian Althoff

Herford (WB). Mehr als 8000 Kinder werden jedes Jahr von Jugendämtern in NRW in Obhut genommen. Manche dieser Fälle sind umstritten - wie der der vierjährigen Maria.

Sibylle W. (35) aus Herford ist alleinerziehend und studiert Biochemie in Bielefeld. Ihre Tochter wurde bislang in der Kindertagesstätte der Uni betreut. Im Juni 2008 erstritt Marias Vater vor Gericht, dass er das Mädchen jeden zweiten Sonntag zu sich nehmen darf - eine Regelung, die der Mutter widerstrebte. »Ich fürchtete aufgrund von Äußerungen meiner Tochter, dass sie missbraucht wird, habe aber keinen Beweis.«

Im Juli 2008 schrieb dann die Kindertagesstätte dem Kreis Herford, das Mädchen habe einen Missbrauch durch den Vater geschildert. Trotzdem blieb es bei der Umgangsregelung - was Sibylle W. und ihre Mutter Helga S. (65) »verrückt macht«, wie die beiden Frauen sagen. Immer wieder saßen sie weinend bei der Polizei in Herford, die schließlich das städtische Jugendamt informierte. Dieses beantragte beim Gericht, die Herausnahme des Kindes anzuordnen. Zur Begründung schrieb das Amt, die Polizei halte Mutter und Großmutter für verwirrt, die Mutter vermute eine Verschwörung und reagiere auf Alltagssituationen unangemessen. Auch habe sie die Jugendamtsmitarbeiterin nicht in die Wohnung gelassen. Mutter und Großmutter seien nicht in der Lage, für das Mädchen zu sorgen.

Das Gericht folgte dem Antrag, und am 27. November holten Amtsmitarbeiterinnen, von der Polizei Lübbecke unterstützt, das Kind aus dem Haus der Großmutter in Preußisch Oldendorf.

»Sie mussten mir meine Enkeltochter mit Gewalt entreißen. Ich wollte meinen Schatz nicht hergeben«, erinnert sich Helga S. unter Tränen. Damals habe sie ein Polizist getröstet, es werde alles wieder in Ordnung kommen. »Aber jetzt sind es schon drei Monate, die die Kleine in einer wildfremden Pflegefamilie leben muss!«

Anwältin Heike Kloppenburg kritisiert, weder Jugendamt noch Gericht hätten klipp und klar gesagt, worin die Kindeswohlgefährdung bestehen soll. Denn in einer Stellungnahme der Uni-Kita heißt es, das Kind komme regelmäßig und sei selten krank. Maria werde von ihrer Mutter gut versorgt, mache einen sauberen Eindruck, sei dem Wetter entsprechend gekleidet und habe immer ihr Frühstück dabei. Maria sei ein sympathisches Kind »mit guten sozialen Kompetenzen«, das bei vielen Kindern beliebt sei. Und ein Neurologe und Psychiater, bei dem sich die Mutter freiwillig untersuchen ließ, schreibt, er könne »keine so weitgehende Störung erkennen«, das eine Kindesentziehung gerechtfertigt sei. Die Mutter fühle sich verletzt und wehrlos und leide unter den juristischen Auseinandersetzungen. Er empfehle eine Mutter-Kind-Kur mit psychologischer Begleitung und eine ambulante Psychotherapie, zu der die Mutter bereit sei.

Am 5. Januar durfte Sibylle W. ihre Tochter zum letzten Mal in den Räume des »Sozialdienstes katholischer Frauen« (SKF) sehen. Weitere Kontakte untersagte der SKF unter anderem mit der Begründung, nach dem Besuch vom 5. Januar seien die Pflegeeltern, bei denen Maria derzeit lebt, von einem Auto verfolgt worden. Anwältin Heike Kloppenburg: »Eine Halterfeststellung durch die Polizei hat ergeben, dass es das Auto des Kindesvaters war. Meine Mandantin hatte sich nichts zu Schulden kommen lassen!« Die Anwältin hat beim Oberlandesgericht Hamm Beschwerde gegen den Beschluss des Familiengerichts eingelegt und gebeten, den Fall bald zu verhandeln.

Stadtsprecher Dr. René Schilling sagte: »Die vom Gericht getroffene Maßnahme beruht auf umfangreichen Grundlagen, zu denen sich das Jugendamt aber nicht öffentlich äußern kann.« Es schade dem Wohl des Kindes und seiner Familie, wenn ein solcher Fall in den Medien ausgebreitet werde.
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